Afghanistan:Russlands Freude/Russlands Angst

Januar 29, 2010

                          @Ramon Schack

Afghanistans aktuelle Probleme nahmen ihren Anfang schon im Jahr 1973, als nach einem Militärputsch die erste afghanische Republik ausgerufen wurde. 6 Jahre später rissen links orientierte, von der Sowjetunion unterstützte Afghanen mit einem blutigen Coup die Herrschaft an sich, und die neue Regierung unterzeichnete  sofort Militär-und Wirtschaftsabkommen mit Moskau. Es dauerte nicht lange, bis die islamische Welt reagierte.Im März brachten moslemische Fundamentalisten, unterstützt von Washingtons engem Allierten Saudi-Arabien, die Kontrolle über wichtige Gebiete an sich.    

In Moskau kam Panik auf, ein militant-islamistisches Regime in Kabul, direkt an der Grenze zum moslemischen, Sowjetisch-Zentralasien, bedrohte den weichen Unterleib dieses riesigen Völkergefängnisses. Die Sowjetunion sah sich mit einem islamischen Dschihad konfrontiert.Erinnerungen an die Basmachi-Revolte der 1930 er Jahre, als es Stalins Truppen erst nach Jahren gelang, die blutige  Herrschaft über Usbekistan, Kirgisien, Turkmenistan und Tadschikistan zu erlangen, hingen in der Luft, wie die Ausdünstungen eines vor sich hin faulenden Kadavers.

Am Weihnachtsabend des Jahres 1979 überschritt die ruhmreiche Rote Armee, die Grenzen nach Afghanistan, und dieses Unternehmen wurde für die Sowjetunion zu einer Katastrophe biblischen Ausmaßes.

10 Jahre später, als die Sowjetunion selbst anfing zu imlodieren, als deutliche Risse im Roten Imperium sichtbar wurden, als die Mauer in Berlin anfing zu bröckeln, wurde der letzte sowjetische Soldat aus Aufghanistan vertrieben.

Den muslimischen Völkern- der untergehenden Sowjetunion- ist diese Höllenfahrt ihrer atheistisch-marxistischen Kolonialherren  wahrscheinlich wie ein Gottesgericht vorgekommen. Schließlich war dieser Rückzug der Roten Armee aus Afghanistan ja begleitet von einer spektakulären Hinwendung -der zentralasiatischen, turanischen und kaukasischen Ethnien  der UDSSR- zum Islam, trotz jahrzehntelanger bolschewistischer Indoktrination und Unterdrückung.

Afghanistan wurde seinem uralten Ruf als Friedhof der Imperien wieder einmal gerecht:Lesen Sie dazu auch:https://ramonschack.wordpress.com/2009/02/15/5307/

Wer erinnert sich heute noch daran, dass die fanatischen und finsteren Horden der Taliban durch die kombinierte Aktion der USA und Pakistans, flankiert von Saudi-Arabischer Penetration, ins Leben gerufen wurden?

Viele der afghanischen Mudjahidin, welche sich nicht der saudischen Seuchenlehre des Wahabbitismus beugen wollten, wurden von den Taliban bekämpft und vernichtet.

Die Bush-Administration war bereit, die schlimmsten Auswüchse des islamischen Fundamentalismus am Hindukusch in Kauf zu nehmen, wenn  ihr als Gegenleistung ausreichend Sicherheit geboten würde, die Gasreserven Zentralasiens, an Russland und dem Iran vorbei, durch afghanisches Territorium bis zu den pakistanischen Häfen am Indischen Ozean zu gewährleisten. Das Abkommen zwischen den Taliban und dem US-Konzern Unocol war reif zur Unterschrift.Erst die Tragödie von 9/11, als die mit den Taliban verbündete saudische Organisation El Quaida zuschlug, bereitete dieser skrupellosen Planung ein jähes Ende.

Nachdem Beginn der Operation Enduring Freedom, als die USA ihre ehemaligen Verbündeten bekämpften, ohne die Saudischen Hintermänner und Drathzieher zur Verantwortung zu ziehen, verzichtete man auf Ratschläge aus Russland. 

Durch die Anwesenheit der Bundeswehr in Afghanistan wird nicht Deutschland am Hindukusch verteidigt, sondern die Russische Förderation und deren Klienten. Das russische Militär beobachtet mit Genugtuung, wie das westliche Bündnis sich dort verfängt, so wie einst die “ruhmreiche Rote Armee”, zuvor die Truppen des Britischen Empire und davor die Heerscharen Alexander des Großen. Andererseits fürchtet man in Moskau ein weiteres Übergreifen des islamischen Fundamentalismus von Zentralasien auf den sensiblen Kaukasus, bis vor die Tore Moskaus, ins Herzen Russlands.

Lesebefehl:http://www.welt.de/politik/ausland/article6026312/Russland-bangt-mit-der-Nato-und-ist-schadenfroh.html

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One Response to “Afghanistan:Russlands Freude/Russlands Angst”


  1. Obwohl der Afghanistan-Krieg eigentlich der „gute Krieg“ war, den Obama in seiner Agenda ganz oben positioniert hatte, reichen ein paar Terror/Tet-Offensiven aus, und schon würde man das Land am liebsten sofort wieder den “gemäßigten Taliban” in den Rachen schmeißen:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/01/29/self-fulfilling-prophecy/

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