Zitat des Tages

Februar 25, 2010

Wenn es einen Weg gibt,
etwas besser zu machen,
finde ihn…

Thomas Alva Edison

                             @Ramon Schack

Der türkische Premierminister Erdogan ist mit Sicherheit kein Fanatiker.Sein überwältigender Wahlsieg im Juli 2007 stellte ja nur den vorläufigen Höhepunkt einer langen Entwicklung dar.

Während im Iran die Moscheen leer stehen, ja sogar eine Entfremdung von religiösen Dogmen stattfindet, gerade unter der urbanen Jugend, sprießen im NATO-Land Türkei die Moscheen wie Pilze aus dem Boden.

Wahrscheinlich wäre es sogar heilsam, wenn in der kraftstrotzenden Türkei der Versuch in Gang käme, ein von der Bevölkerung getragenes koranisches System zu installieren, nachdem man in der übrigen „Islamischen Welt“, vergeblich Ausschau hält.

Irgendwie muß das Verhältnis Europas  gegenüber seinen islamischen Nachbarn ja auf eine neue, realistischere Grundlage gestellt werden.  Die Respektierung des demokratischen Willens der dortigen Mehrheit, auch wenn diese temporär eine religiöse Staatsform präferiert, sollte auf Dauer Vorrang gewinnen über die Kungelei und Kumpanei mit öberflächlich befreundeten Diktatoren und fundamentalistischen Feudalherrschern, deren Anschleimerei an den Westen nur der eigenen Selbsterhaltung dient und die früher oder später einstürzen werden. 

Es konnte ja gar nicht ausbleiben, dass ein Politiker vom Schlage Erdogans, in eine offene Konfrontation mit der allmächtigen Generalität der türkischen Armee und ihrer auf kemalistischen  Laizismus eingeschworenen Staatsdoktrin gerät.

Das hohe Offizierskorps, das bisher im Nationalen Sicherheitsrat die Entscheidungen fällte, betrachtet sich als Bastion des nationalrepublikanischen Erbes, des höchsten Vermächtnisses, das Atatürk hinterließ.

Sukzessive hatte es Erdogan unternommen, diese militärische Macht zu mindern und mit parlamentarischen Mitteln zu unterlaufen.

Die europäischen Freunde des Türkeibeitritts zur EU, welche darauf hinarbeiten, den Einfluss der Armee abzubauen, weil diese den demokratischen Vorstellungen des Westens widerspricht, unterstützen Erdogan dabei fleißig.

Mit der Entmachtung der Generäle wird jedoch  die letzte Hürde beseitigt, die sich einer allmächtigen Umwandlung dieses laizistischen Staates in eine Islamische Republik entgegenstellt.

In den letzten Tagen kam es zu umfangreichen Säuberungen innerhalb der Armee:Lesebefehl:http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/putschvorwuerfe-gegen-militaer/

Zitat des Tages

Februar 19, 2010

Man sollte schon deshalb kein langes Gesicht machen, weil man dann mehr zu rasieren hat.“

Fernand Joseph Désiré Contandin

      @Ramon Schack

US-Präsident  Barack Obama plant den Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter, in den nächsten Tagen in seinem Amtssitz zu empfangen.

Dieser Würdenträger wird ja seit geraumer Zeit von einem westlichen Staatsoberhaupt zum anderen, wie ein  abgegriffener Wanderpokal, weitergereicht.

Selbst Angela Merkel, die seinerzeit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Obama einen Auftritt vor dem Brandenburger Tor verweigert hatte, empfand keinerlei Bedenken, dem Dalai Lama diese Tribüne zu verschaffen.  Mit diesem „Ozean der Weisheit“, tauschte sie dann einige Belanglosigkeiten im Schweinwerferlicht aus und plauderte entzückt über das Nichts.

Den Anführern des uigurischen Widerstandes, die in China einer ähnlichen Unterdrückung ausgesetzt sind, wäre diese Ehre nie gestattet wurden, da es sich ja um turksprachige Muslime handelt. 

George W Bush entblödete sich ja nicht, am Ende seiner unrühmlichen Amtszeit, dem höchsten Würdenträger des tibetischen Buddhismus eine hohe amerikanische Auszeichnung zu verleihen.Gemessen an seinen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien, handelt es hierbei allerdings noch um eine kleinen Fehltritt

Wie hätte wohl der damalige amerikanische Präsident reagiert, wenn dem Indianer-Häuptling Sitting Bull, dessen Volk fast vollständig einem Völkermord zum Opfer fiel, im Ausland eine ähnliche Huldigung zuteil geworden wäre?

So absurd, wie es zunächst klingen mag, ist dieses Beispiel nicht gewählt. Bei der Kolonisierung und Sinisierung von Tibet, orientiert sich China an der Eroberung des Westens von Nordamerika, im 19. Jahrhundert. Vor einigen Jahren führte ich ein Interview  mit der charmanten anglo-australischen Schriftstellerin  und Tibet-Expertin Claire Scobie:

Lesebefehl: http://www.das-parlament.de/2007/14-15/PolitischesBuch/14499173.html

Am Beispiel Chinas offenbart sich mit betrüblicher Deutlichkeit, in welchem Ausmaß den Europäern und Amerikanern das geschichtliche Bewußtsein abhanden gekommen ist. Die Fehldiagnose des Politologen Fukuyama vom “End of History” war auf allzu fruchtbaren Boden gefallen.

So begegnet die westliche Welt dem phänomenalen Aufstieg Chinas in den Rang der zweiten Weltmacht mit einem Gemisch aus Arroganz und Missgunst.

Die explosive Dynamik Chinas erzeugt wachsende Furcht, ja die Ahnung des eigenen Rückfalls in unerträgliche Mittelmäßigkeit. 

Die an Sinophobie grenzende Abneigung, die immer wieder in der deutschen Berichterstattung  über China zu erkennen ist, hängt wohl auch damit zusammen.  

http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E7111B2B5B48D423495537F6D404A7071~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Zitat des Tages

Februar 18, 2010

Es reicht nicht der rote Pelz allein, ein bisschen Fuchs musst du schon sein.“

Aus Armenien

Das Jahr des Tigers

Februar 16, 2010

Lou-shan Pass 
 
Westwind, schneidend,
 
hoch am Himmel Wildgansruf, frostiger Frühmond.
 
Frostiger Frühmond: 

von Pferden der Hufschlag, klirrend,

Trompetenschall, der verschluckt wird…

MAO TSE-TUNG, 1935

(Auszug aus den Gedichten, Übersetzung:Joachim Schickel)

Maoistisches Propagandaplakat

                    @Ramon Schack  

Weltweit feiert man heute das chinesische Neujahrsfest.

Nicht nur in Ostasien, sondern auf allen Kontinenten, wird dieser Tag zelebriert, der für ein Fünftel der Menschheit von Bedeutung ist.

Nach dem chinesischen Kalender geht das Jahr des Büffels zu Ende, das Jahr des Tigers steht bevor.

 

Wohl wissend, dass  das europäische uns ostasiatische Neujahrsfest zeitlich nicht ganz übereinstimmen , möchte ich mit diesem Hinweis einem Kulturkreis huldigen, dem im Zuge der unvermeidlichen  Globalisierung eine dramatische Bedeutung zukommt. http://www.chinakalender.de/bueffel-rind.html

Wird dieses 21. Jahrhundert ein “Chinesisches Jahrhundert” sein. Wird China unserer Epoche seinen Stempel aufdrücken, gar einzelne Kontinente kolonisieren?

In seinem gelungenem Roman “Der Chinese” geht Henning Mankell dieser Frage nach.

Lesen Sie dazu auch:

https://ramonschack.wordpress.com/2008/07/04/2036/

Erobert China Afrika? Vor 3 Jahren unterhielt ich mich Adama Gaye über diese Thematik:

http://ramon-schack.de/uploads/gaye_interview_sz.pdf

Das chinesische Modell gewinnt weltweit an Attraktivität. Warum

 

Zwischen den Fronten – Die neuen Achsen der Macht (1/4)

                                    @Ramon Schack

Zur Stunde finden im Süden Afghanistans heftige Kämpfe statt. Während ein Teil der deutschen Presse sich in dümmlichen Jubelmeldungen ergeht, dabei wie so oft zwischen  totaler Ahnungslosigkeit, Wunschdenken und organisierter Desinformation  pendelt, greife ich lieber auf die beste Tageszeitung der Welt zurück-die International Herald Tribune-um mir ein Bild der Lage zu machen.

 

Diese  militärische Auseinandersetzung-von gewissen Kreisen als der Endkampf zwischen der ISAF und den Taliban hochstilisiert, Kreise die schon 2002 von der totalen Vernichtung dieser Steinzeit-Islamisten gefaselt haben-findet auf uraltem historischem Boden statt.

Rund 500 Jahre vor Christus gründete dort der Religionsstifter Zarathustra seine Glaubensgemeinschaft, vom Leben als ewigem Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Dunkelheit, die später alle anderen großen monotheistischen Religionen nachaltig prägen sollte.

In dieser Stunde des Kampfes, des Blutvergiessens und des Todes, sollten wir den Soldaten und Zivilisten auf allen Seiten gedenken.Natürlich auch den Kriegern der Taliban.Persönlich werde ich Menschen- die bereit sind ihr Leben einzusetzen- niemals meinen Respekt verweigern .

In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, auch wenn ich mich  wiederhole, wie man Afghanistan schon seit der Frühphase der Menschheit bezeichnet:Als „Friedhof der Imperien!“.

„Afghanistan zun erobern ist leicht-es zu beherrschen unmöglich“-Diese historische Feststellung wird ignoriert, dabei hat schon die „Rote Armee“ diese Erfahrung machen müssen, an deren Ende der Niedergang des Sowjetimperiums stand, der ja nicht mit dem Fall der Mauer in Berlin seinen Anfang nahm.  

Auch die Briten haben dort historische Wunden geleckt. Gewiß, das Desaster von 1842, als die aus Kabul ausbrechende Garnision Ihrer Majestät mitsamt Familien und Hilfskräften in den Schluchten des Hindukusch durch Stammesangehörige massakriert wurde, gehört einer anderen Epoche an. Aber wie heiß es doch so treffend.”Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht begreifen und die Zukunft nicht meistern  ”  

Das damalige Ereignis war immerhin so sensationell, daß Theodor Fontane  dem einzigen Überlebenden, einem Militärarzt, der bis Jalalabad gelangte, eine Ballade widmete:”Mit Dreizehntausend der Zug begann; einer kam heim aus Afghanistan”

Lassen wir Peter  Scholl-Latour zu Wort kommen, der wieder einmal Recht behalten hat.Noch neulich sagte er mir am Telefon“Ich wünschte ja auch, meine Prognosen würden nicht immer eintreffen!“

Schon 2007, in dieser TV-Serie, warnte der Altmeister vor einem Scheitern des westlichen Engagements in Afghanistan.  

 

 

Peter Scholl-Latour – Zwischen Hass und Trauer – Der unheilige Krieg im Orient – 5/5

“Mensch: die Krönung der Schöpfung. Wie schade, dass es eine Dornenkrone ist.”

Stanislaw Jerzy Lec 

Justin Timberlake feat. Ciara – Love Sex Magic

   “ Nehmt Rat von jenen , die Erfahrung bieten,

                     Die lange Jahre,Monate, durchschritten.

                      Hält der Gelehrte sich auch in Bewahrung,

                      Vermittelt doch viel Wissen die Erfahrung.”

                          Aus den Lusiaden (Canto decimo)

                               Luis Vaz de Camoes 

 

 

                                  @Ramon Schack

Vor einigen Monaten suchte ich Peter Scholl-Latour  zu einem Interview auf.

Der bekannte Publizist und letzte Chronist unserer Zeit empfing mich an der Eingangstür seiner mondänen Penthouse-Wohnung in Berlin-Wilmersdorf. Schon während des Begrüßungsgeplauders, als wir die Treppe zur zweiten Etage hinaufgingen, kamen wir auf die aktuelle Lage in Afghanistan zu sprechen

Wann wird man in Washington begreifen, dass Afghanistan-landlocked und in sich selbst verkapselt-allenfalls ein Nebenkriegsschauplatz ist?Wann wird man dort zu der Erkenntnis gelangen, daß die Tragödie von Nine Eleven kein afghanisches, sondern ein saudisches Unternehmen war, auch wenn Osama bin Laden sich zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Felshöhle des Hindukusch aufhielt?”  gab Peter Scholl-Latour zu bedenken, während er uns einen Drink zubereitete. In einem früheren Interview mit mir, unmittelbar nach dem Amtsantritt Obamas , hatte er sich wie folgt über die Thematik geäußert:    http://www.freitag.de/politik/0911-afghanistan-obama-taliban-verhandlungen

 

Droht die ISAF-Mission in Afghanistan zu scheitern? Ja, wenn man den Worten des obersten NATO-Kommandeurs in Afghanistan, dem amerikanischen General Stanley McChrystal, Glauben schenken möchte.

McChrystal forderte im September 2009 eine deutliche Aufstockung der Truppen. Sollte in den nächsten zwölf Monaten keine Trendumkehr erreicht werden, riskiere man „ein Ergebnis, bei dem ein Sieg über den Aufstand nicht länger möglich ist“, hieß es in einer damals von der „Washington Post“ in weiten Teilen veröffentlichten Lageeinschätzung McChrystals für Verteidigungsminister Robert Gates. „Unzureichende Kräfte werden vermutlich zu einem Scheitern führen“, schrieb der General .

http://www.handelsblatt.com/politik/international/afghanistan-mission-droht-zu-scheitern;2459015

McChrystal  kritisierte damit direkt  die Äußerungen von US-Präsident Obama, der erst dann weitere Truppen schicken möchte, wenn die richtige Strategie zur Bekämpfung der Taliban feststeht. Barack Obama hat bisher seiner Strategie, die er zu Beginn des Jahres formulierte, keine Taten folgen lassen.Damals signalisierte Obama Gesprächsbereitschaft, mit sogenannten gemäßigten Taliban. Gemessen an diesen Worten, hat Obama bisher versagt

  

Inzwischen hat sich die Ausgangslage geändert. Der US-Präsident scheint den Vorschlägen Mc Chrystals zu folgen. Seit 48 Stunden tobt im Süden Afghanistans die Operation Muschtarak, zu Vertreibung der Taliban aus ihren dortigen Hochburgen. Lesen Sie dazu auch:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/operation-muschtarak-alliierte-wollen-taliban-per-grossoffensive-bezwingen;2529244

Gegen Ende meines damaligen Gespräches mit Peter Scholl-Latour, fragte ich ihn, ob er Parallelen zwischen dem Krieg in Afghanistan  und Vietnam erkenne, wohl wissen, dass ihm beide Kriegsschauplätze  bestens vertraut waren  und sind. Scholl-Latour antwortete mit einem ernsten Blick.”Auch am Mekong -in Vietnam-hatte die Strategie des General Westmoreland zwischen den beiden unvereinbaren Alternativen der counter-insurgency geschwankt, zwischen ”search and destroy” und “Clear and hold”. Auch in Vietnam hatten sich die US-Strategen-ähnlich wie heute die durchaus fähigen Generale Petraeus und McChristal-immer wieder der Illusion hingegeben, es sei möglich und unverzichtbar”to win hearts and minds”- die Herzen und Gemüter der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen.Das war in Vietnam gründlich mißlungen, und es wird auch in Afghanistan mißlingen.”

Erfolg ist so ziemlich das Letzte,
was einem vergeben wird…

Truman Capote

 

Kanye West – Flashing Lights(Official Video)