USA-China:Barack Obama und der Dalai Lama

Februar 18, 2010

      @Ramon Schack

US-Präsident  Barack Obama plant den Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter, in den nächsten Tagen in seinem Amtssitz zu empfangen.

Dieser Würdenträger wird ja seit geraumer Zeit von einem westlichen Staatsoberhaupt zum anderen, wie ein  abgegriffener Wanderpokal, weitergereicht.

Selbst Angela Merkel, die seinerzeit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Obama einen Auftritt vor dem Brandenburger Tor verweigert hatte, empfand keinerlei Bedenken, dem Dalai Lama diese Tribüne zu verschaffen.  Mit diesem „Ozean der Weisheit“, tauschte sie dann einige Belanglosigkeiten im Schweinwerferlicht aus und plauderte entzückt über das Nichts.

Den Anführern des uigurischen Widerstandes, die in China einer ähnlichen Unterdrückung ausgesetzt sind, wäre diese Ehre nie gestattet wurden, da es sich ja um turksprachige Muslime handelt. 

George W Bush entblödete sich ja nicht, am Ende seiner unrühmlichen Amtszeit, dem höchsten Würdenträger des tibetischen Buddhismus eine hohe amerikanische Auszeichnung zu verleihen.Gemessen an seinen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien, handelt es hierbei allerdings noch um eine kleinen Fehltritt

Wie hätte wohl der damalige amerikanische Präsident reagiert, wenn dem Indianer-Häuptling Sitting Bull, dessen Volk fast vollständig einem Völkermord zum Opfer fiel, im Ausland eine ähnliche Huldigung zuteil geworden wäre?

So absurd, wie es zunächst klingen mag, ist dieses Beispiel nicht gewählt. Bei der Kolonisierung und Sinisierung von Tibet, orientiert sich China an der Eroberung des Westens von Nordamerika, im 19. Jahrhundert. Vor einigen Jahren führte ich ein Interview  mit der charmanten anglo-australischen Schriftstellerin  und Tibet-Expertin Claire Scobie:

Lesebefehl: http://www.das-parlament.de/2007/14-15/PolitischesBuch/14499173.html

Am Beispiel Chinas offenbart sich mit betrüblicher Deutlichkeit, in welchem Ausmaß den Europäern und Amerikanern das geschichtliche Bewußtsein abhanden gekommen ist. Die Fehldiagnose des Politologen Fukuyama vom “End of History” war auf allzu fruchtbaren Boden gefallen.

So begegnet die westliche Welt dem phänomenalen Aufstieg Chinas in den Rang der zweiten Weltmacht mit einem Gemisch aus Arroganz und Missgunst.

Die explosive Dynamik Chinas erzeugt wachsende Furcht, ja die Ahnung des eigenen Rückfalls in unerträgliche Mittelmäßigkeit. 

Die an Sinophobie grenzende Abneigung, die immer wieder in der deutschen Berichterstattung  über China zu erkennen ist, hängt wohl auch damit zusammen.  

http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E7111B2B5B48D423495537F6D404A7071~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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One Response to “USA-China:Barack Obama und der Dalai Lama”

  1. Ewa Says:

    Herr Schack, Sie haben es mal wieder auf den Punkt gebracht.Bravo zu diesem Artikel.

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