Nach den Wahlen im Irak-Das Ende des arabischen Nationalismus

März 8, 2010

                                             @Ramon Schack

Der irakische Diktator Saddam Hussein, dessen Gefangennahme im Dezember 2003 als billige Schmierenkomödie inszeniert und dessen Hinrichtung  durch den Strang unter skandalösen Begleitumständen vollstreckt wurde, war alles andere als ein islamischer Fundamentalist.

Wie sein Erzfeind und ideologischer Parteigänger in Damaskus, der inzwischen verstorbene Diktator Syriens Hefez el Assad, der der Sekte der Alawiten angehörte-wie übrigens alle Machtträger dort- und die aufsässigen Muslim-Brüder zu Zehntausenden massakrieren ließ, kannte auch der Diktator von Bagdad keine Gnade, wenn er irgendwo eine religiöse Verschwörung aufspüren ließ.    

 

Bei der Minderheit der Sunniten, der Saddam ja auch selbst angehörte, duldete er höchstens die mystischen Übungen der Derwisch-Orden,als Lokalkolorit und Folklore. Für Wahhabiten, die sich an das fundamentalistische Saudi-Arabien, dem islamischen Gottesstaat Nr 1 und engsten Verbündeten der USA, orientierten  , oder gar für salafistische Elemente, die im Verbund mit Dschihadisten ein neues Kalifat herbeibomben wollten, gab es kein Pardon. 

Hart ging Hussein auch gegen die schiitische Bevölkerungsmehrheit vor, die er instinktiv als potentielle Gegner und Agenten des ihm verhassten Iran ansah.Als glühender arabischer Nationalist, hatte er für sein arisch-iranisches Nachbarvolk nur Verachtung übrig, welche sich in seinem berüchtigtem Zitat aus der Zeit des ersten Golfkrieges wiederspiegelte.“Allah hat drei Plagen geschaffen-Perser, Juden und Fliegen! “  

Nachdem Ende der Saddam-Herrschaft und dem Zusammenbruch seines säkular nationalsozialistischen BAATH-Regimes, wurde-mit Ausnahme von Syrien- das letzte Regime beseitigt,welches sich noch auf den arabischen Nationalismus berief, der in den 1960er Jahren noch die Massen von Casablanca bis nach Aden in Wallung brachte. 

Statt eines Leuchtturmes der Demokratie im Irak, wurde eine neue Vormachtstellung des Irans errichtet, die im schiitischen Gürtel, der die syrische Wüste überwunden hat, und im Libanon, in unmittelbaren Kontakt mit Europa gerät, ihren Ausdruck findet.

Heute macht man in Washington dicke Backen, wenn man sich des unaufhaltsamen Aufstieges des Irans zur führenden Regionalmacht bewußt wird, als wäre diese Tendenz nicht vorher schon erkennbar gewesen. Seit 2002 haben die Amerikaner in ihrem „War against Terror“, die schlimmsten Feinde Teherans beseitigt, die Taliban in Afghanistan und eben Saddam Hussein im Irak.  Statt der pseudodemokratischen Phraselogie der Bush-Administration, hätte man seinerzeit in Washington lieber auf die dort ansässigen Orient-Experten hören sollen, um nach einem neuen starken Mann in Bagdad ausschau zu halten. In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, dass der Irak kein historisch gewachsener Nationalstaat ist, sondern von der reiselustigen und altjüngferlichen  britischen Agentin Getrude Bell erfunden wurde.  

Demzufolge ist es auch unmöglich, die Aufsplitterung  des Iraks, in seine ethnischen und religiösen Grundbausteine, durch „freie Wahlen“ zu verhindern. Lesen Sie dazu auch: http://www.handelsblatt.com/politik/international/irak-der-kampf-nach-dem-krieg;2541772

Der Horror, der den Irak seit dem Frühjahr 203 heimsucht, hat bei der Masse der Bevölkerung keine Saddam-Nostalgie aufkommen lassen.Dafür hatten seine Schergen zu blutig unter dem geprüften Volk gewütet.Doch die Frage sei erlaubt, wer ist heute in der Lage, die zentrifugalen Kräfte des Zweistromlandes, dort wo einmal die Wiege der Menschheit lag, zu bändigen und zusammenzufügen ? 

 

Mit Offenen Karten „Irak“ Entstehung des Staatsgebietes

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